Hier auch im PDF Format zum teilen:

Von Kathmandu nach Konstanz,
vom Traum zum Traumjob

Stuti mit Blick auf die Landschaft mit dem Bodensee im Hintergrund

Stuti mit Blick auf die Landschaft mit dem Bodensee im Hintergrund


Die Job-Suche führte Stuti Bhatta (21) von Nepal nach Deutschland an den Bodensee. Hier ist sie erfolgreich angekommen und dabei, sich als Pflege-Fachkraft bei der Caritas in Konstanz zu etablieren. Ein langer Weg, ein steiniger Weg: aber Stuti ist glücklich in Deutschland, möchte bleiben und noch mehr erreichen. Für sich und ihre Familie in Kathmandu. Geholfen haben ihr die persönlichen Netzwerke von Ralf Mehlmann, CEO von seeJOBS am Bodensee. Mit seiner Firma hat er sich darauf spezialisiert, Mitarbeiter u.a. aus Nepal in Pflege und Krankenhaus zu vermitteln.

Die Füße werden leicht,
wenn man das Ziel vor Augen hat.

Nepalesische Weisheit*


Die familiäre Art und das nötige Knowhow helfen beim Ankommen, Weiterkommen und nicht zuletzt der Erledigung der vielen bürokratischen Schritte, die nötig sind, um in Deutschland oder der Schweiz arbeiten zu können. Unternehmen, die Mitarbeiter suchen und Menschen, die von Fern kommen und hier arbeiten möchten erfolgreich zusammen zu bringen, ist die Hauptaufgaben, die er mit seinem Team ermöglicht.

Der Bodensee und die Stadt Konstanz

 Der Bodensee im Herbst 



Der Bodensee ist eine der schönsten Regionen und liegt genau inmitten Europas. Deutschland, die Schweiz und Österreich teilen sich die Ufer dieses riesigen Sees, der so sauber ist, dass Millionen Menschen das Wasser daraus trinken und mit 80km Länge und über 20km Breite auch einer der größten und beliebtesten Seen ist. Rund 4 Mio. Menschen leben hier und dazu kommen noch einmal 22.6 Mio. Besucher jährlich. All diese Menschen sorgen dafür, dass sich hier eine der Wirtschafts- und Job-Hotspots entwickelt
hat: Gut bezahlte Mitarbeiter in allen Bereichen werden gesucht und kommen gerne hierher, denn das Motto lautet: wir dürfen da arbeiten, wo andere Urlaub machen!

Weiterführende Links:
http://www.bodenseebilder.de/11/de/start.php
https://www.bodensee.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Bodensee

Auch Stuti Bhatta hat diesen Weg beschritten: er führte sie rund 6.750 km von der Hauptstadt Nepals, Kathmandu, an den Bodensee, nach Konstanz, die als deutsche Grenzstadt direkt in das Schweizerische Kreuzlingen übergeht, so dass hier rund 100.000 Menschen eine lebendige grenzüberschreitende Metropole bildet. Es war ein großer Schritt, aus der behüteten Familie in Nepal, in das Abenteuer Deutschland.

Das Wappen von Nepal ist eine stilisierte, grüne Hügellandschaft mit den Umrissen des Landes, die von einem schneebedeckten Mount Everest überragt wird. Darunter reichen sich als Symbol der Gleichheit der Geschlechter eine Frau und ein Mann die Hände. Landschaftlich ist das nicht allzu weit vom Bodensee entfernt, der mit einer Panoramasicht auf die nahen Schweizer Alpengipfel besticht; auch die Gleichberechtigung in allen Bereichen des Lebens ist hier in Deutschland größtenteils erreicht und eine Selbstverständlichkeit – vor allem im Job.

Als Stuti im Flieger nach Deutschland sitzt, weiß sie nicht, was sie dort alles erwartet in diesem fremden Land. „Ich war unsicher, ob ich mich in Deutschland mit Englisch erstmal verständigen kann“ erinnert sie sich. „Auch hatte ich ganz viel warme Kleidung eingepackt, weil man sagte es sei so kalt dort“. Doch ist Süddeutschland grundsätzlich etwas wärmer und nicht umsonst ist der Bodensee eine Urlaubsregion und zweitens war selbst der Winter in ihrem ersten Jahr sehr mild. Stuti war sofort angetan von Land und Leuten: „Die Menschen hier sind wirklich sehr freundlich und nett“, lacht sie, „und an die exakte Pünktlichkeit habe ich mich auch schnell gewöhnt, denn hier ist die vereinbarte Zeit genau einzuhalten, in Nepal ist das etwas lockerer.“

Am Flughafen in Kathmandu: Aufregung und Freude vor dem Start

Am Flughafen in Kathmandu: Aufregung und Freude vor dem Start

Unterschiede zu Nepal fallen ihr dabei eine Menge auf: „In Nepal gibt es nur einen Tag Wochenende, hier sind es zwei“, sprudelt sie los, „und die Bürokratie hier ist wirklich viel komplizierter als in Nepal, das kann man ohne Hilfe nicht schaffen.“ Das Essen in Deutschland hat sie zu Anfang irritiert: „In Nepal isst man zweimal am Tag warm und einmal kalt, hier ist es eher umgekehrt. Bei uns in Nepal ist Reis fast immer dabei, hier dagegen isst man viel Brot. Zur Mentalität muss sie nicht lange überlegen: “Nepalesen sind eher wie Italiener, lebendig und bunt und es wird sich viel mehr umarmt.“

Willkommens-Kuchen für Stuti: ein denkwürdiges Datum

Viel hat sich für sie ins Positive gewendet und nicht zuletzt durch die Unterstützung von Ralf
Mehlmann konnte so manche bürokratische Hürde letztlich genommen werden.
Jetzt arbeitet sie seit dem 01.12.2021 als FSJ bei der Caritas in Konstanz im Altenpflegebereich. Das freiwillige soziale Jahr ist eine intensive Vorbereitungszeit für die eigentliche Ausbildung; Kost, Logis, Krankenversicherung und ein kleiner Lohn werden dabei übernommen. Ab August 2022 beginnt dann die eigentliche Ausbildung zur Pflegefachfrau, die insgesamt drei Jahre dauert und zwischen Schule, theoretischer Ausbildung und Praxis abwechselt. Auch hier wird alles übernommen und ein tarifliches Ausbildungsgehalt bezahlt, welches jährlich steigt.

Wenn du die Dinge richtig machst,
musst du dich nicht sorgen.

Nepalesische Weisheit*



Der Einstieg begann mit einem sogenannten Freiwilligen Sozialen Jahr FSJ, das in Deutschland gerne von jungen Menschen als Orientierungsjahr genutzt wird, wenn sie aus der Schule kommen und überlegen, was sie in ihrem Berufsleben anfangen sollen. Ob Studium oder Lehre, vielleicht ein Ausbildungsweg im Ausland – während des FSJ lernen sie soziale Kompetenzen und nicht selten finden sie im Sozialberuf auch ihre Erfüllung. Für Stuti war das längst klar: sie will Krankenschwester werden, vielleicht auch mal Ärztin. In Nepal hat sie ihr Abitur in der Public School mit sehr gut abgeschlossen. In Indien besuchte sie in Bangalore die Medical School. Dort werden Physiotherapeuten, Krankenschwestern, Ärzte und Zahnärzte ausgebildet. Die Ausbildung zur Krankenschwester dauert 15 Monate und war in Corona-Zeiten sehr mühsam. „Ich wusste, dass die indische Ausbildung international und auch in Deutschland anerkannt ist, darum war mir die Schule in Bangalore auch so wichtig“, erläutert Stuti. Krankenschwester oder Ärztin war dabei schon immer ihr Traum: „Schon in der Schule hatte ich mich in Biologie für das Sezieren von kleinen Tieren, wie Fröschen oder Mäusen interessiert“, führ sie aus. „Das Botanische war zwar auch spannend, aber Zoologie lag mir mehr. Auch in Indien konnten wir dann in der Schule an Leichen die menschliche Anatomie studieren, das hat mich ungeheuer fasziniert und auch heute bin ich sehr neugierig und lerne viel.“ Vor allem Deutsch muss sie pauken, keine einfache Sprache. Als Voraussetzung ist in Deutschland der Ausbildungslevel B1 nötig; damit kann man sich im Alltag zunächst zurechtfinden und sich verständigen. B2 wird zwar vorausgesetzt und sollte davor erworben sein, doch es gibt auch Möglichkeiten dies im Laufe der Ausbildung parallel zu machen.
In Nepal kosten alle Schulen, Ausbildungen und Studien Geld, jeder weitere Schritt will darum
wohlüberlegt sein. „Darum sind auch meine damaligen Ausbildungskollegen in der Medical School sehr fokussiert und wissen, dass sie im Medizinbereich arbeiten wollen.“ In Deutschland hingegen werden die jungen Menschen während ihrer Ausbildung nicht nur in Praxis und Theorie geschult, sondern sie bekommen neben Kost und Logis auch einen Lohn, der für nepalesische Verhältnisse großzügig bemessen ist. Rund 1.200 Euro werden monatlich brutto durchschnittlich gezahlt, doch man darf sich nicht täuschen: Für die Lebenshaltungskosten in Deutschland reicht das gerade mal so. Darum ist Stuti froh, auch während der Ausbildung bei der Caritas ein Zimmer gestellt zu bekommen. Hier kann sie in Ruhe lernen und zu lernen gibt es auch neben der Sprache mehr als genug: Fach-Ausdrücke aus der Altenpflege etwa, oder medizinische Grundkenntnisse. Stuti lernt fleißig und hat
ihre ersten Ausbildungsschritte mit Bravour bestanden: Das Deutsch-Zertifikat B1 hat sie gut
abgeschlossen und darauf baut nun auch der weitere Ausbildungsweg bei der Caritas auf. Jetzt steht Deutsch B2 an, den sie als Kurs berufsbegleitend besuchen kann. In Deutschland ist das kostenlos möglich, wenn man die Voraussetzungen dazu hat. Allerdings ist hier die Bürokratie sehr unübersichtlich und ohne Hilfe von Ralf Mehlmann, der sich als Jurist im Paragraphendschungel auskennt, wäre das so nicht möglich gewesen. In Deutschland kann sich Stuti nun ganz auf ihre weiteren Karriereschritte konzentrieren.
Die Wohnbereichs-Leiterin und stellvertretende Pflegedienstleitung Carina Schlenker ist bei der Caritas im Pflegeheim wo Stuti arbeitet zuständig für 23 Mitarbeiter, davon 7 Schüler und mit Stuti einer FSJ-Mitarbeiterin. Sie ist voll des Lobes für Stuti: „Sie ist eine zuvorkommende, freundliche und liebenswürdige Person“, führt sie aus, „sie war zwar fremd in der Pflege, hat sich aber in der relativ kurzen Zeit schon viel angeeignet und da kommt noch einiges, was es zu Lernen gilt. Was sie angeht, erledigt sie sehr gewissenhaft.“ Im Pflegeheim Marienhaus arbeiten 66 Mitarbeiter im Team, darunter kümmern sich ca. 40 Mitarbeiter nur um die Pflege. „Stuti muss ordentlich mitanpacken und das macht sie gut und immer mit einem Lächeln, vielleicht ist das die nepalesische Mentalität“,
ergänzt sie.

Chancen kommen,
aber sie verweilen nicht.

Nepalesische Weisheit*

In den Schweizer Bergen in der Nähe des Bodensees

Bald möchte sie auch einen Führerschein machen; damit ist man in Deutschland nicht nur
unabhängiger, sondern kann bei der Caritas in der sogenannten mobilen Pflege arbeiten und ältere, pflegebedürftige Menschen zuhause besuchen und vor Ort unterstützen. Denn viele Menschen können noch lange Zeit zuhause leben, schaffen aber den normalen Alltag nicht ganz ohne Hilfe und brauchen auch medizinische Unterstützung. Wenn sich ihr Zustand verschlechtert können sie dann in ein Pflegeheim der Caritas wechseln. Die Caritas unterstützt hier pflegebedürftige Menschen nach ihren jeweiligen Möglichkeiten und den Lebensumständen entsprechend. Der Beruf ist vielseitig, verlangt aber ein gutes Wissen und viel Einfühlungsvermögen. Stuti schätzt dabei den menschlichen Umgang sehr und auch die Abwechslung. Durchschnittlich acht Stunden arbeitet sie am Tag, fünf Tage die Woche. In Deutschlang gilt in der Regel die Fünftage-Woche und man hat zwei Tage frei zur eigenen Verfügung; darüber hinaus besteht ein gesetzlicher Urlaubsanspruch von ca. 30 Tagen im Jahr.

Wem nichts zu schwer ist,
dem gelingt alles.

Nepalesische Weisheit*


Das alles korrekt abläuft, darüber wacht eine Ausbildungsleiterin, die sowohl die Interessen des Unternehmens, als auch die der Auszubildenden in Einklang bringt. In Deutschland sind diese Dinge alle geregelt und man hat einen rechtlichen Anspruch darauf, vom Arbeitgeber fair behandelt zu werden.
Auch das Betriebsklima im Pflegeheim ist sehr freundlich, höflich und kollegial; selbst in
Stresssituationen wird hier niemand laut, alle helfen einander und arbeiten im Dienste der
Menschen, die hier gepflegt werden.
Wenn alles so läuft die geplant, dann wird Stuti im Juli 2026 Ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau abschließen und kann danach überall in Deutschland arbeiten und hat solange eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Im Schnitt verdient man hier ca. 2.600,00 Euro Brutto in diesem Bereich, kann aber durch weitere Qualifikationen und Zusatzschichten etwa am Wochenende das Einkommen steigern.

Der Fleißige wird gut belohnt.

Nepalesische Weisheit*

*Sprichworte werden in Nepal „ukhan“ genannt. Diese wurden jahrhundertelang
mündlich überliefert und enthalten Lebens-Weisheiten der früheren Generationen, die nur
in ihren Dörfern lebten und noch nichts von der weiten Welt wussten.